Industrial Reality Check 2026: Warum Geschwindigkeit, Komplexität und Menschen die Industrie neu sortieren
Von Kerstin Stier
26. Jan 2026
Wenn man aktuell über Digitalisierung in der Industrie spricht, klingt vieles vertraut:
Industrie 4.0, Automatisierung, AI, Robotics. Neu ist das alles nicht.
Neu ist aber die Situation, in der sich viele Unternehmen 2026 wiederfinden werden. Denn dieses Jahr wird für viele Unternehmen entscheidend, um die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Was erwartet die Industrie in den nächsten Jahren wirklich – aus Tech-Sicht?
Vier Beobachtungen ziehen sich dabei quer durch Produktion, Intralogistik und IT:
Reality Check 1: Industrie 4.0 – das Problem ist nicht die Technik
Industrie 4.0 ist angekommen. In Gartners Hype Cycle für Manufacturing Operations zeigt sich, dass viele I4.0-Technologien in sehr naher Zukunft das Plateau of Productivity erreichen werden. Die Technologie ist bereit und Sensorik, Maschinenanbindung, MES, Daten – all das ist in vielen Unternehmen Realität. Was jetzt zum Wettbewerbsfaktor wird, ist Beherrschbarkeit: Systeme sind da, aber schwer veränderbar, und die Integration ist aufwändig und komplex.
Wer 2026 noch über die „Einführung“ von Industrie 4.0 spricht, ist zu spät. Die eigentliche Aufgabe heißt: Skalieren, integrieren, steuern.
Reality Check 2: Intralogistik – automatisiert ist nicht gleich steuerbar
In der Intralogistik passiert gerade enorm viel: AMRs, Fördertechnik, moderne WMS, erste AI-Optimierungen. Das Lager der Zukunft, in dem Prozesse Robotik-gestützt sehr viel stärker automatisiert sind als heute, steht vor der Tür. Die Challenge für Unternehmen wird es werden, diese Systeme dazu zu bringen, miteinander zu arbeiten, nicht nur nebeneinander. Ohne End-to-End-Orchestrierung entstehen neue Silos – nur schneller und teurer.
|
Die Folge: Komplexität wächst schneller als Transparenz. Automatisierung allein reicht nicht mehr. Entscheidend wird die Fähigkeit, Materialflüsse, Systeme und Menschen ganzheitlich zu steuern. Deshalb ist es 2026 entscheidend, im oft monolithisch geprägten Systemumfeld der Lagerlogistik zu flexibilisieren und die Grundlagen für die beherrschbare, sichere und nahtlose Integration neuer Technologien zu schaffen. |
|
Reality Check 3: People-Centric Operations – der Mensch ist kein Soft Factor
Fachkräftemangel, Fluktuation und steigende Prozessdichte sind kein HR-Thema mehr, sondern ein operatives Risiko. Denn Produktivität entscheidet sich zunehmend:
- an der Usability von Systemen
- an der Befähigung der Mitarbeitenden
- an der Fähigkeit, Ausnahmen zu managen und Prozesse zu verbessern
Während KI und Automatisierung zunehmen Standardprozesse und operative Ausführung übernehmen, sind die Menschen für Steuerung, Qualität und Entscheidungen verantwortlich. Das erfordert zwei Dinge: Anwendungen und Apps, die null Onboarding erfordern, im Handling Spaß machen und relevante Informationen transparent verdichten und in Echtzeit zur Entscheidung bringen. Und eine Organisation, die den Skill Shift der Mitarbeitenden aktiv fördert, begleitet und moderiert.
Value Creation mit Künstlicher Intelligenz
Reality Check 4: AI Value Creation – Speed ist nicht der Engpass
AI ist da. Use Cases gibt es genug. Was fehlt, ist oft der Business Impact.
Denn: AI erzeugt keinen Wert allein durch ihre Existenz. Wirkung entsteht erst, wenn sie:
- in End-to-End Prozesse eingebettet ist
- ins Operating Model passt
- integrierbar und governable bleibt
Ohne Struktur wird AI schnell zum weiteren Komplexitätstreiber. Und ohne echten, nachweisbaren Value bleibt sie ein Showcase ohne ROI im Unternehmen.

⬇️ Warum klassische IT hier nicht mehr mithält
Viele dieser Herausforderungen lassen sich mit klassischer IT nur schwer lösen, denn die Realität im industriellen Umfeld ist komplex und umfasst eine große Zahl an Systemen und Technologien. Herausfordernd sind besonders:
- monolithische Systeme und Legacy-Anwendungen
- lange Release-Zyklen für ERP-Anpassungen
- hohe Abhängigkeit von individuellen Entwicklungen
- geringe Änderbarkeit im laufenden Betrieb
Die Geschwindigkeit der Anforderungen – aus Business, Produktion und Logistik – ist höher als das, was klassische IT-Ansätze abbilden können.
Das ist kein Vorwurf an IT-Teams. Es ist ein strukturelles Problem. Und wir beobachten vier Tech-Trends, die hier eine Antwort bieten:
1. Vibe Coding & AI-gestützte Entwicklung
AI beschleunigt Entwicklung massiv – wenn sie innerhalb klarer Plattform-Grenzen eingesetzt wird. Entscheidend wird es, KI-basierte Anwendungsentwicklung im industriellen Umfeld sicher, integrierbar und wartbar zu gestalten.
2. Plattformbasierte Architektur & Integration
Wert entsteht zwischen Systemen. Integration und Orchestrierung werden zur Kernkompetenz. Zentral ist daher eine Architektur, die das überhaupt ermöglicht.
3. Governance by Design
Versionierung, Rollen, Sicherheit und Lifecycle müssen von Anfang an mitgedacht werden – nicht als Nachschicht. Ganz besonders im Kontext von KI-Integration und Vibe Coding im Enterprise: Hier entscheidet gute Governance darüber, ob wirklich ein Hebel da ist oder am Ende die neu geschaffenen technischen Schulden den Mehrwert überwiegen.
4. Low-Code-Mechanismen als Enabler
Nicht als Citizen-Development-Spielwiese, sondern als strukturierter Weg, komplexe industrielle Fachlichkeit schneller umzusetzen. Denn Low-Code Plattformen – wenn sie wie engomo speziell auf industrielle Bedürfnisse und missionskritische Prozesse ausgelegt sind, liefern Integrationsfähigkeit, promptbasierte App-Entwicklung und Governance für den sicheren, skalierbaren und wartbaren Einsatz von Anwendungen in Unternehmensbereichen, für die stabiler Betrieb entscheidend ist.
Wir nennen das: Industrial Application Platforms, die all das verbinden:
- Geschwindigkeit in der Umsetzung
- saubere Integration bestehender Systeme
- Governance und Stabilität
- und eine menschenzentrierte User Experience
Statt immer neue Einzellösungen zu bauen, entsteht eine gemeinsame Basis, auf der Anwendungen für Produktion, Logistik und Business entwickelt und betrieben werden können – schnell, integriert und beherrschbar.
Oder anders gesagt: Geschwindigkeit und Kontrolle sind kein Widerspruch – wenn die Plattform stimmt.
|
Die zentrale Frage für 2026 lautet nicht: 💡Sondern: Sind wir strukturell in der Lage, Geschwindigkeit, Komplexität und Menschen gleichzeitig zu beherrschen? Wer diese Frage jetzt ehrlich beantwortet, verschafft sich einen echten Vorsprung. |
|